Fachlichkeiten
über das Erzählen

Erzählen und Zuhören funktionieren, weil Menschen sich etwas vorstellen können.
Voraussetzung dieser künstlerischen Handlungen ist das Bildungsvermögen, im Sinne von
"Sich-ein-Bild-von-der-Welt-machen-können".

Diese Art der künstlerischen Aneignung von Welt ist anstrengend und vergnüglich zugleich.
Wer kann sich einer gut erzählten Geschichte entziehen?
Dabei ist das Erzählen als Medium keine kommunikative Einbahnstrasse.
Erzählen ist direkt auf den Zuhörer angewiesen, der muss aktiv hören
und ermöglicht und erleichtert damit den Erzählfluss.
Erzählen ist kommunikativ mehrgleisig und jeder an der Erzählsituation Beteiligte
beeinflusst das Geschehen.
Obwohl fast jeder Mensch einer Geschichte zuzuhören vermag,
viele Menschen die Regeln des Erzählens zu erkennen vermögen, wird selten erzählt.

Die Informationsaufnahme über den Erzähler ist eigenartig archaisch, direkt,
von Angesicht zu Angesicht. Sie fordert vom Zuhörer größte Aufmerksamkeit.
Die gibt der Zuhörende gerne!
Dadurch eignet sich das Erzählen vorzüglich für die Bearbeitung von Inhalten,
die den Zuhörer in Kontakt mit sich selbst bringen.

Das Volksmärchen mit seinem Fundus an archetypischen Bedeutungsinhalten
ist für dieses Vorhaben vorzüglich geeignet. Es wurde dafür geschaffen!
Durch das Hören eines Märchens werden dem Einzelnen innere Bilder ins Blickfeld gerückt,
denen er sich aussetzen kann, zunächst ohne eigenbiographisch eingebunden zu sein.
Das Übertragen von Textinhalten auf das eigene Leben ist möglich,
muss aber nicht vollzogen werden.
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